Was soll man noch nach diesem Monat sagen? Ich habe gerade gesehen, dass wir diesen Monat auch rückwirkend Black October nennen können. Zeit, mal den Monat Revue passieren zu lassen.
Das Thema der KI hat dem Bereich der IT-Sicherheit in den letzten Monaten echt den Rang abgelaufen, daher war ich außerordentlich überrascht, zu sehen, dass die PHP-Lücke so hohe Wellen schlug. Dass tatsächlich ein Teil des WWW abgeschaltet wurde, weil der Patch einer Lücke erwartet wurde, zeigt in erster Linie, dass es einige Admins gibt, die noch schnell reagieren.
Andererseits wurde IT-Sicherheit auch vereinfacht. Wozu aufwändiges Schlüsselmanagement aufbauen, wenn die Zahl 4 auch reicht?
Es zeigt aber auch, dass wir einen Großteil der bei uns im Einsatz befindlichen Software schwer überblicken können. Das wird insbesondere beim Blick auf den PHP-"Fix" schnell deutlich, da es sich dabei nicht nur einfach um einen geänderten Check oder Systemaufruf handelt, sondern an tausenden Stellen Teile verändert werden mussten. Natürlich auch durch die Hilfe durch LLMs.
Wer jetzt allerdings sagt, proprietäre Software sei ja aufgrund des fehlenden Drucks durch Transparenz so viel unsicherer, der kann beruhigt sein, denn: alle Software ist ja mittlerweile Open Source. Zumindest, wenn es nach dem Projekt "Reverse Engineer Anything" (rea) geht, das auf GitHub trendet und gerne eingesetzt wird, um Spiele zu "erweitern" oder Software zu klonen.
Bei rea bin ich auch überrascht, aber nur, weil ich damit gerechnet hatte, dass wir schneller an diesem Punkt ankämen. Software zu kompilieren ist einfach, das Kompilat zu sinnvollem Code rückzuentwickeln ist schwierig – das ist eigentlich eine der Aufgaben, wo maschinelles Lernen am besten glänzen kann. Und das tut es offenbar.
Was der letzte Monat uns aber eigentlich gezeigt hat, ist, dass KI die Hürden zwischen einer Idee und ihrer Umsetzung abbaut. Und das ist das, was vielen eigentlich das Kopfzerbrechen bereitet. Bisher galt: eine Idee ist nicht viel wert, wenn man sie nicht umgesetzt bekommt. Daher lag der Burggraben ("Moat") oft in der Fähigkeit, etwas umzusetzen. Man musste sich keine Sorgen machen, dass jemand anderes die Idee schon vorher hatte. Aber genau das kehrt sich jetzt um. Sei es, dass Software entwickelt oder originalgetreu nachgebaut werden kann, oder dass Lücken in Software gefunden werden können.
Wir leben schon in einer spannenden Welt, wo die Idee "ich möchte in das System einbrechen" jemanden schon so nah an das Ziel bringt. Und Möglichkeiten hierfür gibt es offenbar zuhauf. Das Open-Source-Argument der transparenten Entwicklung hat uns offenbar weder vor der PHP-Lücke noch vor solchen Krachern wie der CVE-2026-99999 bewahrt.
Aber das gilt eben in beide Richtungen. Die gleichen Werkzeuge, die aus der Idee eines Einbruchs einen Einbruch machen, machen aus "wir sollten unseren Code aufräumen" ein tatsächliches Refactoring. Die Hürde sinkt für Angreifer wie für Verteidiger. Nur hatten Verteidiger bisher selten die Zeit, das Budget oder schlicht die Lust dazu.
Ich bin gespannt, was der nächste Monat bringt. In wenigen Tagen soll aus all den öffentlichkeitswirksamen Wohltaten ein Börsengang werden. Ruhiger wird der kommende Monat vermutlich nicht. Sicherlich nicht.