Rostige Zahnräder (Anlehnung an Rust)

Rust-Projekt möchte Foundation gründen

Rust, eine unter Mozilla Research entwickelte Programmiersprache, soll mit einer eigenen Foundation ein neues Dach bekommen. Die Pläne werden durch die jüngsten Entlassungen bei Mozilla bestärkt.

Programmiersprachen nehmen in der Informatik eine besondere Rolle ein, wenn es um die Organisation und Eigentümerschaft geht. Einerseits ist der Kern einer Programmiersprache die Spezifikation, andererseits ist der Weg zur Spezifikation und jeder weiteren Version von dieser ein herausforderndes organisatorisches Unterfangen, da Interessen abgewogen werden müssen und viele Entwickler sich diesen Prozess so neutral wie möglich wünschen.

Nicht ohne Grund war bisher bei vielen Programmiersprachen der Zyklus für neue Iterationen bedacht gewählt und gilt somit schon fast als träge. Als ein Paradebeispiel lässt sich C anführen, wo es rund alle 10 Jahre einen neuen Standard gibt. C und C++ nehmen hier auch eine Sonderrolle ein, da die Sprachspezifikation in Form eines Standards von einer Standardisieriungsorganisation veröffentlicht wird. Bei C war es anfangs das ANSI und später die ISO (ISO/IEC 9899), C++ wurde direkt von der ISO mit der ISO/IEC 14822 standardisiert.

Bei den Veteranen der Programmiersprachen waren also Standard und Implementierung durch Compiler und Interpreter getrennt. Projekte hinter neueren Programmiersprachen bringen meist ein ganzes Ökosystem mit, welches nicht selten einen Referenzcompiler/-interpreter oder eine komplette Dokumentation umfasst. Wie gut das funktioniert, kann man am Beispiel Python betrachten: hier kommen Spezifikation, Dokumentation und der Referenzinterpreter CPython aus einer Hand, andere Interpreter wie PyPy sind nur vereinzelt anzutreffen und spezialisieren sich auf bestimmte Teilaspekte.

Mozillas Rolle bei Rust

Rust ist noch eine relativ junge Programmiersprache, deren Entwürfe sich in das Jahr 2006 zurückdatieren lassen und die 2015 fünf Jahre nach der Vorstellung in der ersten stabilen Version erschienen ist. Entscheidend vorangebracht wurde Rust durch die Mozilla Foundation, die viele Entwickler hierfür im Rahmen von Mozilla Research beschäftigt hat.

Als vor einigen Tagen die Entlassungen bei Mozilla Wellen schlugen, haben die meisten in erster Linie an den Firefox, Thunderbird oder das MDN gedacht. Rust hat allerdings auch eine entscheidende Rolle und wird zunehmend von wichtigen Unternehmen und Projekten eingesetzt, darunter Amazon, Cloudflare, 1Password und in naher Zukunft sogar dem Linux-Kernel. Der Wegfall der treibenden Kraft wäre somit für das Projekt katastrophal.

Eine Foundation soll gegründet werden

Aus diesem Grund hat das Rust-Projekt gestern in einer Mitteilung bekanntgegeben, dass die Pläne, Rust ein neues Dach in Form einer Foundation zu geben, nun besonders vorangebracht werden. Im Kern geht es in erster Linie darum, Rust in eine juristische Selbständigkeit zu überführen. Und das ist durchaus wörtlich gemeint: die sich neu gründende Stiftung soll als eine der ersten Aufgabe und Ziele die Marken und Domänennamen übernehmen.

Die Infrastruktur hinter dem Rust-Projekt wird, wie das Team beschreibt, zunehmend schon von weiteren Organisationen im Rahmen von Sponsorings getragen, weshalb dieser Prozess der Verselbständigung in die Hände spielt.

In ähnlicher Art und Weise geht auch das eingangs erwähnte Python-Projekt vor: hier agiert in erster Linie die Python Software Foundation (PSF), die ebenfalls die Markenrechte verwaltet und unterstützend dem Projekt beiträgt. Im Falle von Python ist allerdings die konkrete Entwicklung Aufgabe der Entwicklergemeinschaft, die sich unter anderem durch die PEPs organisiert. Rusts Äquivalent wären hierzu die Rust RFCs.

Da diese Umstellung gerade erst angestoßen wurde, wird es in den nächsten Wochen noch einige Nachrichten hierzu geben, ehe zum Jahresende erste Teile der Stiftung stehen sollen.

Keine Kommentare

Kommentar verfassen